C2: Spezifische PdV-Anforderungsklärung
Formulierung von KIDD-KPIs im KIDD-Prozess
Einordnung in den KIDD-Prozess Vor der Formulierung von KIDD-KPIs steht die Formulierung konkreter KIDD-Ziele bezüglich Diversität im Prozessschritt B3.
Im Abschnitt C (Adaption/Entwicklung) beginnt das PdV einen Aushandlungsprozess mit den Softwareentwicklern über ethische und diskriminierungssensible Gestaltungsoptionen der Software und formuliert konkrete, softwarebezogene Empfehlungen (Schritt C2: spezifische Anforderungsklärung). Dabei wird auch die Formulierung von KIDD-KPIs vorgenommen, die als Fairness-Kennzahlen dienen.
Anschließend erfolgt in C3 die Definition von Testfällen, um die PdV-Anforderungen/Ziele sowie die formulierten KPIs und die am System vorgenommenen Anpassungen zu überprüfen.
Begriffsdefinitionen
KPI (Key Performance Indicator): Eine Leistungskennzahl, mit der der Fortschritt oder Erfüllungsgrad bezüglich einer Zielsetzung gemessen werden kann. Die Messung erfolgt im Betrieb, ex post.
Testfälle: Überprüfung der gewünschten Funktionsweise eines Systems in einem spezifischen Anwendungsfall. Ein Testfall definiert Inputs ins System, die erwartete Funktionsweise und die erwarteten Outputs des Systems. Während der Testphase wird die tatsächliche Funktionsweise mit der erwarteten verglichen.
Um sicherzustellen, dass ein System aus Sicht des Panels der Vielfalt fair ist, müssen Zielsetzungen, KPIs und Testfälle definiert und überwacht werden (Monitoring).
Formulierung von KIDD-KPIs (ex post)
Neben der Möglichkeit, die Fairness des AES bezüglich Diversität anhand konkreter KIDD-Ziele zu überprüfen, besteht die Option, relevante Daten im Betrieb zu erheben, in KPIs darzustellen und mit einem definierten Fairness-Zielkorridor zu vergleichen.
Die Fairness-Kennzahlen gehen nicht von Anfang an in die Zielvorgaben des AES ein. Sie werden im Nachhinein (ex post) erhoben und mit einem Zielkorridor verglichen. Bewegt sich ein KPI außerhalb dieses Korridors, müssen Maßnahmen diskutiert und ergriffen werden.
Es gibt zwei Ansätze, um Fairness-Kennzahlen im AES abzubilden, beide haben ihre Vor- und Nachteile:
Wenn Fairness-Kennzahlen als feste Zielvariablen verwendet werden, die die Funktionsweise des AES bestimmen, führen sie direkt zum festgelegten Ziel. Nachteil dabei ist, dass sich die Ergebnisse im Vergleich zu anderen Zielvariablen tendenziell verschlechtern.
Der zweite Ansatz verwendet Fairness-Kennzahlen als im Betrieb überwachte KPIs. Ihre Wirkung tritt indirekt ein und erfordert organisatorische Maßnahmen, die zuerst analysiert und dann umgesetzt werden müssen. Vorteil ist, dass er die Möglichkeit bietet, durch diese Maßnahmen und die Feinjustierung der Zielvariablen des AES eine qualitativ hochwertigere Gesamtlösung für das Unternehmen zu entwickeln.
Ticket-System mit Backlog
Die spezifischen Anforderungen werden in der Regel in einem Ticket-System als Features erfasst, um die Priorisierung und den Fortschritt der Umsetzung nachverfolgen zu können. Häufig werden Vorlagen für Features vorgegeben, die mehrere Felder beinhalten. Beispielhaft sind folgende Felder angegeben:
Feature Nummer:
(Eindeutige Nummer des Features)
Feature Name:
(Prägnanter Name des Features)
Problembeschreibung:
(welches Problem soll gelöst werden)
Hypothese:
(was wird sich ändern, wenn das Feature da ist)
Beschreibung des Features:
(Allgemeine Beschreibung des Features, evtl. mit Zeichnung von einzelnen Prozess-Schritten oder als konkrete UserStory: „Als ... möchte ich ..., damit ...“)
Abhängigkeiten und Risiken:
(Zu welchen anderen Features gibt es Abhängigkeiten und welche? Welche Risiken gibt es bei der Umsetzung dieses Features?)
Akzeptanzkriterien:
(welche Eigenschaften müssen erfüllt sein, damit dieses Feature abgenommen werden kann.)
Literatur
[1] Puntschuh, Michael; Fetic, Lajla (2020), Praxisleitfaden zu den Algo.Rules. Orientierungshilfen für Entwickler:innen und ihre Führungskräfte. iRights.Lab; Bertelsmann Stiftung. (Link, 17.08.2023)
[2] Hallensleben, Sebastian; Hustedt, Carla; Fetic, Lajla; Fleischer, Torsten; Grünke, Paul; Hagendorff, Thilo et al. (2020), From Principles to Practice. An interdisciplinary framework to operationalise AI ethics. AI Ethics Impact Group. (Link, 17.08.2023).
Last updated